Chronischer Schmerz

Was sind chronische Schmerzen?

Schmerzen werden dann als chronisch bezeichnet, wenn sie länger als sechs Monate anhalten und damit ihre Warnfunktion verloren haben. Sie können durch nicht oder nicht ausreichend behandelte Akutschmerzen hervorgerufen werden, z.B. wenn nach einer Operation monatelang starke Schmerzen nicht ausreichend behandelt werden. Ständige Schmerzen brennen sich regelrecht in unser Schmerzgedächtnis ein. Sie signalisieren und verursachen Schmerz, für den es eigentlich keinen (organischen) Grund mehr gibt.

Um die richtige Therapie zu finden, sind für den Arzt folgende Informationen wichtig:

  • die Dauer (Zeitraum)
  • die Stärke (Intensität),
  • die Lokalisation (Schmerzherkunft, an wie vielen Stellen tritt der Schmerz auf),
  • das Verhalten bei der Medikamenten-Einnahme (welche Schmerzmittel werden wie häufig eingenommen)

"Patientenkarriere"

Die Patientenkarriere gibt an:

  • wie oft wurde der Arzt gewechselt
  • wie viele schmerzbedingte Krankenhausaufenthalte gab es bereits
  • wurden aufgrund der Schmerzen bereits Operationen oder Rehabilitations-Maßnahmen durchgeführt )

Chronische Schmerzstadien

Je nach Auftreten oben genannter Faktoren werden chronische Schmerzen in 3 Stadien unterteilt

Gesamtstadium 1:
Der Schmerz tritt nur an einer Stelle einmal täglich oder seltener auf. Er hält mehrere Stunden an. Die Stärke wechselt häufig. In diesem Stadium wird eine Therapie mit einem Schmerztherapeuten durchgeführt. Schmerztherapeuten sind meist Fachärzte (z. B. Anästhesisten, Neurologen, Orthopäden), die eine zusätzliche Spezialausbildung zur Betreuung von Schmerzpatienten absolviert haben. Auch in größeren Krankenhäusern findet man Schmerzambulanzen, die Therapien mit entsprechender physiotherapeutischer und psychologischer Unterstützung anbieten.

Gesamtstadium 2:
Die Schmerzen kommen mehrmals täglich und  an mehr als zwei Stellen. Der Schmerz dauert mehrere Tage an, und seine Heftigkeit (Intensität) ändert sich nur gelegentlich. Patienten in diesem Stadium werden dreifach behandelt: mit Medikamenten, Physiotherapie und psychologischer Therapie (multimodaler Therapieansatz).

Gesamtstadium 3:
Dieses Stadium ist für Patient und Angehörige eine extreme Belastung. Der Betroffene leidet unter einem andauernden, immer gleich heftigen Schmerz. Die Schmerzen treten an mehreren Stellen auf oder breiten sich im ganzen Körper aus. Die Schmerzen halten eine Woche oder länger an. Oft gibt es keine andere Möglichkeit, als den Patienten in ein Krankenhaus zu überweisen. In der Fachklinik kann versucht werden, die medizinische Behandlung durch spezielle "Schmerzbewältigungsverfahren" zu unterstützen. Obwohl meist nur eine geringe Chance auf völlige Beschwerdefreiheit besteht, sind die Chancen einer deutlichen und langfristigen Schmerzlinderung gut.

Krankheitsbilder

Typische Krankheitsbilder, die chronische Schmerzen zur Folge haben können, sind z. B.:

  • Kopfschmerzen (Migräne, Clusterkopfschmerzen),
  • Nervenschmerzen (z. B. Trigeminusneuralgien des Gesichts und Herpes-Zoster-Neuralgien nach der so genannten Gürtelrose)
  • Rückenschmerzen,
  • Muskel- und Knochenschmerzen
  • Schmerzen nach Operationen

Körper und Seele leiden

Chronischer Schmerz bedeutet ständige Arztbesuche, ständige Medikamenteneinnahme und ständiges Leid. Die Behandlung von chronischen Schmerzen erfordert einen verständnisvollen Arzt, der sich auch mit der seelischen Verfassung seines Schmerzpatienten beschäftigt. Werden Betroffene nicht optimal therapiert, können die Folgen fatal sein: Sie schränken ihre körperlichen Aktivitäten ein, ziehen sich immer mehr zurück und verlieren den Kontakt zu ihrer Umwelt. Das wiederum macht einsam und traurig und kann sogar in einer Depressionen enden.