Charakterisierung des Schmerzes

Wie wird der Schmerz empfunden?

Die Schmerzart gibt möglicherweise schon Hinweise auf die Schmerzursache. Ist der Schmerz dumpf, pochend, stechend, brennend oder ziehend? All das ist für die Diagnose und Behandlung entscheidend.

Zu welchem Zeitpunkt, mit welcher Häufigkeit bzw. in welcher Dauer tritt der Schmerz auf?
Um eine korrekte Diagnose stellen zu können, müssen alle möglichen Faktoren beleuchtet werden. Häufigkeit, Zeitpunkt, Dauer und gesundheitliche Begleitumstände können wichtige Informationen darüber liefern, ob der Schmerz chronisch zu werden droht. Der Arzt muss herausfinden, wie ausgeprägt die chronischen Schmerzen bereits sind (Chronifizierungsgrad), um die richtige Therapie einleiten zu können.

Treten Begleitsymptome auf?
Auch Umstände, die Schmerzen beeinflussen oder begleiten, können einen Hinweis auf die Schmerzursache geben. So weisen z. B. bei heftigen Kopfschmerzen Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen auf eine Migräne hin.

Visuelle Analogskala

Wie stark ist der Schmerz?
Um die Stärke der auftretenden Schmerzen einschätzen zu können, werden so genannte Schmerzskalen verwendet. Diese ermitteln die Schmerzstärke meist als Zahlenwert und erfassen so die höchste und niedrigste Schmerzempfindung. Gemessen wird sowohl im Ruhezustand als auch unter Belastung. Dabei möchte der Arzt herausfinden, mit welcher Schmerzstärke der Patient „gut” leben kann und welcher für ihn unerträglich ist. Schmerzskalen sind besonders wichtig für die Kontrolle des Therapieerfolges. Wendet man Schmerzskalen konsequent (täglich) an, erfährt der Arzt genau, ob und wie gut oder schlecht die Behandlung wirkt.

Schwierig wird die Ermittlung der Schmerzintensität bei Kleinkindern und Säuglingen. Sie können leider noch nicht sagen wo und wie stark es weh tut, daher muss der Arzt auf andere „Angaben” zurückgreifen. So kann z. B. ein Anstieg der Herzfrequenz auf Schmerzen hinweisen. Lässt sich ein weinendes Kind auch nach längerem Zuspruch nicht beruhigen, könnten Schmerzen der Grund dafür sein.

Wie sieht die Krankengeschichte des Patienten, abgesehen vom Schmerz, aus?
Wichtig sind Angaben über die gesundheitliche Vorgeschichte (allgemeine medizinische Anamnese) eines Schmerzpatienten. Auch „alte” Verletzungen, Krankheiten oder Operationen können noch nach Jahren und Jahrzehnten Schmerzen verursachen oder die persönliche Schmerzempfindung beeinflussen.

Welche Medikamente nimmt der Patient ein?
Bei der Erstuntersuchung wird der Patient gefragt, welche Medikamente er regelmäßig oder unregelmäßig einnimmt bzw. eingenommen hat. Zur Wahl der geeigneten Therapie muss der Arzt darüber informiert sein, ob sein Patient bestimmte Medikamente nicht verträgt, oder ob ein eventueller Medikamentenmissbrauch besteht. Zeigt sich bei einem Patienten eine Suchtgefahr, muss der Arzt abwägen, ob diese Präparate verordnet werden können.

Älteres Paar auf einer Brücke

Wie sieht das soziale Umfeld des Patienten aus?
Gibt es Ärger im Job? Probleme mit den Kindern? Kriselt es in der Beziehung? Die Fragen nach der allgemeinen Lebenssituation scheinen nur auf den ersten Blick nichts mit der Erkrankung zu tun zu haben. Tatsächlich können Schmerzen durchaus durch seelische, soziale oder berufliche Probleme beeinflusst werden. Chronische Schmerzen sind niemals nur ein körperliches Problem sondern führen in aller Regel zu seelischen und oft auch beruflichen und sozialen Schwierigkeiten. Chronische Schmerzpatienten sind oft nicht mehr in der Lage, ihren Beruf ganz oder auch nur teilweise auszuüben. Ein Dasein als Frührentner oder die Arbeitslosigkeit bringt häufig keine Linderung der Schmerzen sondern fördert eher die Schmerzwarnehmung. Der Grund: Die Untätigkeit und das Gefühl der „Nutzlosigkeit” können den Betroffenen so sehr seelisch belasten, dass sich die Schmerzempfindung deutlich verschlimmert.