Leben mit einer Schmerztherapie

Häufig gestellte Fragen

Was ist „chronischer“ Schmerz?
Kann chronischer Schmerz wirksam behandelt werden?
Was sind „stark wirksame“ Schmerzmittel?
Warum werden starke Schmerzmittel auch Betäubungsmittel (BtM) genannt?
Können starke Schmerzmittel süchtig machen?
Wann werden stark wirksame Schmerzmittel verschrieben?
Wie werden starke Schmerzmittel richtig angewendet?
Haben starke Schmerzmittel starke Nebenwirkungen?
Kann man unter einer Therapie mit starken Schmerzmitteln Auto fahren?
Was sollte bei der Therapie mit starken Schmerzmitteln außerdem berücksichtigt werden?
Wie lässt sich der Alltag bei Einnahme starker Schmerzmittel leichter bewältigen?

 

Was ist „chronischer“ Schmerz?
Als „chronisch“ werden Schmerzen bezeichnet, die über einen längeren Zeitraum (mindestens 3-6 Monate) andauern.

Kann chronischer Schmerz wirksam behandelt werden?
Ja. Eine individuelle und effektive Schmerztherapie, bei der auch von Anfang an der Einsatz von starken Schmerzmitteln sinnvoll sein kann, führt bei den meisten aller Betroffenen zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität im Alltag.

Was sind „stark wirksame“ Schmerzmittel?
Als „stark wirksam“ bezeichnet man Schmerzmittel, die die körpereigene Schmerzhemmung im zentralen Nervensystem unterstützen. Hierzu gehören klassische Opioide, also Wirkstoffe wie zum Beispiel Morphin oder Fentanyl sowie Arzneimittel der Klasse der „MOR-NRI“ (Tapentadol).

Diese starken Schmerzmittel hemmen unter anderem im Rückenmark die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Gehirn. Dabei besetzen sie die gleichen Bindungsstellen wie körpereigene Opioide (= Endorphine).

Warum werden starke Schmerzmittel auch Betäubungsmittel (BtM) genannt?
Opium (= Morphium) ist eines der ältesten bekannten Arzneimittel der Welt und wurde schon vor 3000 Jahren in Ägypten gegen starke Schmerzen eingesetzt. Im damaligen und auch späteren Sprachgebrauch wurde der Begriff „Betäubungsmittel“ für diese Wirkstoffe geprägt, da man mit ihnen starke Schmerzen betäuben wollte. Um die missbräuchliche Verwendung von Opiaten sowie ihrer natürlichen und synthetischen Abkömmlinge zu verhindern, beschloss man 1929 eine gesetzliche Regelung zum Umgang mit diesen Wirkstoffen. Im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) sind die Besonderheiten (zum Beispiel spezielle Rezepte und Dokumentationspflichten) festgelegt.

Auch heute noch wird der Begriff „Betäubungsmittel“ auf die dem BtMG unterstellten Arzneimittel angewandt, auch wenn vielfach keine betäubende Wirkung vorhanden ist. Dies trifft auch auf moderne starke Schmerzmittel zu.

Können starke Schmerzmittel süchtig machen?
Starke Schmerzmittel, insbesondere Opioide, werden mit Sucht- und Entzugserscheinungen assoziiert.

Doch weltweit sind sich Schmerzexperten einig, dass das Risiko einer psychischen Abhängigkeit bei der korrekten Verwendung dieser Arzneimittel eher gering ist:

Gerade moderne Schmerzmittel haben nicht nur durch ihren besonderen Wirkmechanismus und der speziellen Eigenschaften von Tabletten oder Pflastern mit verzögerter Wirkstofffreisetzung ein geringeres Risiko der Suchtentwicklung. Wird das Medikament bestimmungsgemäß eingesetzt, das heißt die richtige Dosis verordnet und korrekt angewendet, ist eine psychische Abhängigkeit sehr selten.

Wann werden stark wirksame Schmerzmittel verschrieben?
Längst verordnen Ärzte stark wirksame Medikamente gegen Schmerzen nicht mehr ausschließlich Patienten mit sehr schweren Krankheiten. Heutzutage werden frühzeitig bei allen Formen chronischer Schmerzen (zum Beispiel Rückenschmerzen) starke Schmerzmittel eingesetzt, um eine adäquate Schmerzlinderung zu erreichen.

Wie werden starke Schmerzmittel richtig angewendet?
Um eine gleichmäßige Schmerzlinderung bei anhaltenden Schmerzen zu erreichen sind gleichbleibende Wirkstoffspiegel des Arzneimittels im Blut nötig. Daher sollten Arzneimittel zur Behandlung chronischer Schmerzen regelmäßig nach einem festen Zeitplan und genau nach den Anweisungen des behandelnden Arztes eingenommen werden.

Haben starke Schmerzmittel starke Nebenwirkungen?
In der Langzeittherapie von Schmerzen gehören moderne Schmerzmedikamente zu den verträglicheren Mitteln. Allerdings können gerade zu Beginn einer Therapie einige unangenehme Nebenwirkungen vorkommen. Übelkeit und Erbrechen können potentiell als unerwünschte Begleiterscheinungen auftreten. Diese Beschwerden gehen zwar mit der Zeit meist zurück, sind aber besonders zu Anfang einer Behandlung eine große Belastung. Deshalb kann der behandelnde Arzt gegen diese unerwünschten Symptome sogenannte Antiemetika verordnen. Müdigkeit und Benommenheit treten anfangs auch öfter auf, lassen aber meist nach einigen Tagen von selbst nach. Eine besonders unter klassischen Opioiden (zum Beispiel Morphin) verbreitete Nebenwirkung sind Verdauungsprobleme (Verstopfung), die aber sowohl mit Hilfe von entsprechenden Medikamenten als auch unterstützender Maßnahmen wie reichlich Flüssigkeit, balaststoffreiche Ernährung und – sofern möglich  –  viel Bewegung gut reguliert werden können.

In allen Fragen zu möglicherweise auftretenden Nebenwirkungen sollte der behandelnde Arzt immer der erste Ansprechpartner sein.

Kann man unter einer Therapie mit starken Schmerzmitteln Auto fahren?
Zu Beginn einer Therapie, in der Einstellungsphase oder bei Wechsel zu einem anderen starken Schmerzmittel sowie bei der Anpassung der Dosis sollte auf das Autofahren erst einmal verzichtet werden. In dieser Zeit könnten Nebenwirkungen auftreten, die die Fitness und die Reaktionsfähigkeit einschränken.

Sobald der Therapieverlauf stabil ist, ein guter Allgemeinzustand gegeben und der Patient über die möglichen Nebenwirkungen und Risiken aufgeklärt ist, kann das Fahrzeugführen aus ärztlicher Sicht möglich sein. Auch hier ist ein Arztgespräch sinnvoll, um eine individuelle Entscheidung zu treffen. Bei Zweifeln sollte eine Leistungsprüfung (Geschicklichkeitstest beim TÜV) in Erwägung gezogen werden.

Was sollte bei der Therapie mit starken Schmerzmitteln außerdem berücksichtigt werden?

  • Starke Schmerzmittel sollten nie eigenständig abgesetzt werden. Bei Unzufriedenheit mit der Therapie sollten weitere Maßnahmen mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
  • Auslandsreisen sollten frühzeitig mit dem Arzt besprochen werden, da dieser eine Bescheinigung über das Mitführen von Betäubungsmitteln ausstellen muss, die von der obersten Landesgesundheitsbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle beglaubigt werden muss. Details hierzu sind auf der Internet-seite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu finden: http://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Betaeubungsmittel/Reisen/_node.html
  • Auf Alkohol sollte während der Therapie mit starken Schmerzmitteln verzichtet werden, da das Reaktionsvermögen beeinträchtigt werden kann.
  • Weitere Medikamente sollten stets nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, da diese die Wirkung starker Schmerzmittel beeinflussen können.
  • Es empfiehlt sich, immer einen vom behandelnden Arzt auszustellenden Opioid-Ausweis mit sich zu führen, so dass im Notfall eine Therapie mit starken Schmerzmitteln für medizinisches Personal schnell erkennbar ist.

Wie lässt sich der Alltag bei Einnahme starker Schmerzmittel leichter bewältigen?
Mit folgenden Tipps lässt sich die medikamentöse Therapie gegen chronische Schmerzen positiv unterstützen:

  • Stress verstärkt Beschwerden. Beruflich und privat sollte Stress deshalb möglichst vermieden werden.
  • Bewusst eingesetzte Entspannungsmethoden können Schmerzen lindern. Autogenes Training, Akupunktur, Hypnose oder ähnliche Therapieverfahren können das Schmerzempfinden positiv beeinflussen. Aber auch tägliche Momente der Muße oder – falls möglich –  körperliche Aktivität lassen Schmerzen oftmals in den Hintergrund treten.
  • Einsamkeit verstärkt die Beschwerden. Kontakte zu Freunden oder Bekannten oder anderen lieben Menschen können eine willkommene Ablenkung sein. Nicht zuletzt finden Betroffene auch in Selbsthilfegruppen durch den Austausch miteinander Zuspruch und Verständnis.
  • Grundsätzlich kann eine gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung sowie Flüssigkeitszufuhr, ausreichend Schlaf sowie die Vermeidung von Alkohol zu einem besseren Wohlbefinden beitragen.