Das Nervensystem als „Schmerz-Leitung”

Das Nervensystem

Pipetten

Das Nervensystem kann man sich wie ein Kabelnetz vorstellen, das durch unseren Organismus verläuft und alle wesentlichen Teile miteinander verknüpft und Nachrichten übermittelt. Unser Körper verschickt permanent Signale, z. B. angenehme, wenn wir gestreichelt werden, oder weniger angenehme, wenn wir Schmerz empfinden.

Das Nervensystem wird nochmals unterteilt in:

Das zentrale Nervensystem (ZNS) und peripheres Nervensystem (PNS)

Das ZNS liegt in Gehirn und Rückenmark. Das periphere Nervensystem (PNS) ist ein Geflecht aus Nerven und Nervenwurzeln, die dem Rückenmark und Gehirn entspringen. Nervenzellen (Neuronen) sorgen dafür, dass Schmerzreize zum Rückenmark in der Wirbelsäule transportiert werden. Empfinden wir Schmerzen, löst das in unserem Körper eine Reflexbewegung aus, noch bevor der Schmerz überhaupt wahrgenommen wird. Wenn man sich z. B. die Hand an einer Herdplatte verbrennt, wird diese zurückgezogen, ehe man den Schmerz bewusst empfindet. Damit wir die Schmerzen aber tatsächlich spüren können, muss das Schmerzsignal erst seinen Weg fortsetzen. Es wird auf eine andere Nervenzelle umgeleitet und erreicht dann erst die „Zentrale” – unser Gehirn. Erst wenn der Schmerzreiz dort angelangt ist, also die so genannte Großhirnrinde erreicht hat, empfinden wir die Schmerzen bewusst. Eine anstrengende Situation für unseren Organismus: Der Blutdruck steigt, die Atmung wird schneller, und dann werden auch noch Stresshormone ausgeschüttet.

Senso-motorisches Nervensystem

Dieses Nervensystem macht es möglich, dass wir Musik hören, Essen schmecken, Schönheit sehen und Berührungen genießen können. All unsere Sinne werden damit gesteuert – leider auch der Schmerz. Aber auch unsere Bewegungen (Motorik) werden über das senso-motorische Nervensystem gesteuert. Damit wir z. B. den Finger heben können, müssen im Körper erst einmal einige „Vorkehrungen” getroffen werden: Zunächst wird der Bewegungsbefehl im Gehirn umgesetzt und geht dann weiter ins Rückenmark. Der Reiz erregt die dort liegenden Nervenzellen, verlässt das Rückenmark dann wieder durch Nervenwurzeln, um schließlich in den äußeren Nerven des Fingermuskels zu enden. Der Befehl ist angekommen – der Finger wird gehoben.

Vegetativ-autonomes Nervensystem

Diesem Nervensystem unterliegen alle Organfunktionen, die wir nicht willentlich beeinflussen können (z. B. Verdauung, Herzschlag, Hormonausschüttung etc.). Dieses Nervensystem reagiert auf „unbewusste” (autonome) Eindrücke: Haben wir einen vollen Magen, dann wird automatisch unser Verdauungssystem in Gang gesetzt. Darauf haben wir keinen direkten Einfluss.

Das vegetativ-autonome Nervensystem wird nochmals unterteilt in Sympathikus und Parasympathikus. Das sind lange Nervenstränge, die auf beiden Seiten der Wirbelsäule verlaufen. Das sympathische Nervensystem bereitet in einer Gefahrensituation den Körper auf Flucht oder Kampf vor. Ein wichtiges Relikt grauer Vorzeit, das uns das Leben retten kann. Der Organismus läuft hierbei auf Hochtouren, um sich zu schützen: Adrenalin wird ausgeschüttet, das Herz rast, der Atem wird schneller und die Sinne verschärfen sich. Alle Körperfunktionen, die jetzt eher hinderlich wären, werden erst einmal zurückgestellt (z. B. Verdauung oder Fortpflanzung). Das parasympathische Nervensystem hingegen hat eine weitaus „ruhigere” Funktion – es fördert Verdauung und Regeneration.

Nervenfasern

Nervenfasern sind zu vergleichen mit einer „Schmerzautobahn”. Sie garantieren einen schnellen Transport der unangenehmen Empfindung an ihren Bestimmungsort. Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Nervenfasern: Die schnelle A-d-Nervenfaser kann Reize in etwa 20 Meter pro Sekunde übertragen. Diese Faser leitet den ersten hellen Schmerz und löst den Flucht- und Schutzreflex aus (z. B. das Wegziehen der Hand). Die langsamere C-Faser schafft „nur” eine Reizübertragung von 2 Metern pro Sekunde. Sie verursacht den zweiten, dumpfen Schmerz. Beide Fasertypen treten in Aktion, wenn es z. B. zu einem Oberflächenschmerz kommt. Wer sich in die Hand sticht, empfindet erst den scharfen, hellen Stichschmerz und kurz darauf einen dumpfen, pochenden Schmerz.