Psychotherapie

Warum überhaupt Psychotherapie?

Glückliches junges Paar

Mit chronischen Schmerzen aufstehen, den Tag irgendwie überstehen und wieder einschlafen. Wenn Schmerz zu einem dauernden Begleiter wird, leidet auch die Seele. Eine kranke Psyche kann aber auch Schmerzen verstärken oder sogar verursachen. Dann ist eine Psychotherapie oft die einzige Möglichkeit, dem Schmerzkreislauf zu entrinnen.

Ganz wichtig ist bei der Psychotherapie das vertrauensvolle Gespräch. Dafür ist ein harmonisches Verhältnis zwischen Therapeut und Patient Voraussetzung. Zu Beginn der Therapie wird der Betroffene informiert, wie überhaupt Schmerz wahrgenommen und verarbeitet wird. Im Dialog werden dann mögliche Schmerzauslöser ermittelt. Tritt der Schmerz z. B. in bestimmten Stresssituationen auf (im Job, in der Beziehung etc.), muss der Patient versuchen, diesen Schmerzauslöser zu vermeiden oder anders mit ihm umzugehen.

Therapieansätze

In der Behandlung lernt der Patient, seinen Schmerz zu verarbeiten und mit ihm zu leben. Ein beschwerlicher Prozess, der auf Körper, Gedanken, Verhalten und Gefühle Einfluss nimmt.

Körper: Wer Schmerzen hat, verspannt sich automatisch und erzeugt dadurch noch mehr Schmerzen. Ein gezieltes Training (z. B. autogenes Training) hilft, Körper und Geist zu entspannen.

Gedanken: Alles dreht sich um den Schmerz. Das Leiden steht immer im Mittelpunkt. Gedanken wie:  „...diese Schmerzen bringen mich noch um” oder „ mit solchen Schmerzen bin ich nur noch ein halber Mensch” machen den Patienten unglücklich, ja sogar depressiv. In der Therapie sollen diese Schmerzgedanken verändert oder sogar „ausgelöscht” werden.

Verhalten: Schmerzpatienten ziehen sich vom alltäglichen Leben zurück. Sie haben keinen Spaß mehr an Sport oder geselligem Beisammensein. Sie beschäftigen sich übermäßig mit ihrem Schmerz und werden immer einsamer. Die Folge: Dieses pessimistische Verhalten setzt die Schmerzschwelle weiter herab – die Schmerzintensität nimmt zu. Der Therapeut versucht hier, den Schmerzpatienten wieder ins Leben zurückzuführen. Er ermuntert ihn, aus seinem Schneckenhaus herauszukommen, sich abzulenken und wieder Kontakte zu knüpfen. Solche Aktivitäten heben die Stimmung, was wiederum die Schmerzempfindlichkeit verringert.

Gefühle: Wer mit Schmerzen leben muss, ist gereizt, niedergeschlagen, verängstigt. Alles Empfindungen, die weder der Seele noch dem Körper gut tun. Denn sie erhöhen die Schmerzintensität und vergrößern das Leid. Der Patient lernt in der Therapie, solche negativen Gefühle schon im Ansatz zu erkennen – und, wenn möglich, auch zu vermeiden. Leichter gesagt als getan. Deshalb ist die kontinuierliche psychologische Betreuung auch so wichtig. Denn Fortschritte können nur bei konsequenter dauerhafter Behandlung gemacht werden.

Tief begraben: Nicht selten ist die Reihenfolge umgekehrt – seelischer Schmerz erzeugt körperlichen. Hinter solchen (psychogenen) Schmerzen verstecken sich Probleme, die anders nicht bewältigt werden können. Statt sich mit seinen Sorgen auseinander zu setzen, flüchtet der Betroffene in seinen Schmerz. Hier kommt dann die so genannte Tiefenpsychologie zum Einsatz. Dabei erforscht der Therapeut behutsam die seelischen „Abgründe” seines Patienten. Er muss Konflikte aufspüren, die vielleicht bis in die Kindheit zurückreichen können. Erst wenn der Kummer aufgedeckt wird, lässt sich der Schmerz lindern.

Therapieverfahren

Die Kraft der Psyche wird noch oft unterschätzt. Doch in einigen Fällen ersetzen Hoffnung, Glück und Zufriedenheit Tabletten und Tropfen. Auch wenn Medikamente nicht immer zu ersetzen sind, ist eine begleitende Psychotherapie für den Schmerzpatienten eine wichtige Unterstützung im Kampf gegen den Schmerz. In diesem Kampf kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz, unter anderem autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Biofeedback.

Entspannung mit autogenem Training

In diesem Training lernt der Patient, seine Körperfunktionen selbst zu beeinflussen (Autosuggestion). Übungen, die ständig wiederholt werden, helfen dem Schmerzpatienten, sich völlig auf seinen Körper zu konzentrieren. Dabei muss er sich immer wieder ein ganz bestimmtes Körpergefühl vorstellen, z. B. „mein linker Arm wird immer schwerer”. Nach einiger Zeit und etwas Entspannungspraxis kann der Betroffene dieses Gefühl tatsächlich spüren – der linke Arm wird schwerer. Mit dieser Methode kann der Patient seine Muskulatur entspannen und sogar Herzschlag und Atmung beruhigen. Diese totale Entspannung wird meist als angenehme Wärme und Schwere empfunden. Verkrampfungen und Anspannungen, die durch Schmerz hervorgerufen werden, können mit autogenem Training wieder gelöst werden.

In der Regel findet das anfängliche Training in der Gruppe statt. Doch schon nach kurzer Zeit kann sich der Patient überall und auch alleine in den gewünschten Entspannungszustand versetzen. Die Entspannung ist „mobil” – sie funktioniert zuhause genauso gut wie im Büro oder in der Straßenbahn.

Progressive Muskelentspannung (nach Jacobsen)

Bei dieser Methode werden bestimmte Muskelgruppen zunächst angespannt und dann wieder entspannt. Man beginnt mit einer Muskelgruppe und nimmt im Laufe der Therapie immer mehr Muskelgruppen hinzu. Auf keinen Fall darf sich der Patient bei diesen Übungen verkrampfen. Er muss sich auf die Empfindungen konzentrieren, die er während der An- und Entspannung spürt. Hat der Patient genügend Praxis, kann er sich innerhalb von Sekunden an jedem Ort in einen entspannten Zustand versetzen. Verspannungen verursacht durch chronische Schmerzen können mit diesem Verfahren erfolgreich bekämpft werden.

Biofeedback

In seinen Körper hineinhorchen, ihn verstehen und ihn beeinflussen – das ist Biofeedback. Zunächst einmal muss der Patient lernen, auch unterbewusste Körpervorgänge zu erkennen. Das geschieht nicht auf einer spirituellen Ebene, sondern mittels High-Tech-Geräten: Die Atem- und Herzfrequenz oder die Muskelentspannung wird gemessen und an optische oder akustische Signale gebunden. Diese Signale kann der Patient entweder sofort auf einem Bildschirm sehen oder über einen Lautsprecher hören. So versteht er, was in seinem Organismus vorgeht, denn er kann ja sehen bzw. hören, was sein Körper so treibt.

Im Laufe der Therapie lernt der Patient genau diese Vorgänge mit seinem Willen zu kontrollieren. Mit Biofeedback lässt sich in unserem Körper so einiges beeinflussen: Gefäße können erweitert werden (z. B. bei Migräne), Muskeln entspannen sich (z. B. bei chronischen Schmerzen, Rückenproblemen), die Durchblutung wird angeregt (z. B. bei chronischen Gelenkserkrankungen). Dieses Verfahren kann aber auch bei nicht schmerzhaften Erkrankungen eingesetzt werden, z. B. bei Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck.